Entwidmung von St. Bonifatius

Am 6. 6. haben die Glocken von St. Bonifatius ein letztes Mal geläutet. Um 10 Uhr versammelten wir uns in einer kleiner Schar, um Abschied von dem Gotteshaus am Lämmersieth zu nehmen. Bischöfin Fehrs, Pröpstin Kleist, Pastor Hanno sowie die Kirchenvorsteherinnen, die Prädikantin und die Mitarbeitenden der ehemaligen Gemeinde St. Bonifatius und ich. Wir erinnerten uns zunächst kurz an die Geschichte dieses Hauses: vor 62 Jahren war es von der Kirchengemeinde Nord-Barmbek gebaut und im September 68 eingeweiht worden. Vor zwei Jahren haben wir groß das 50-jährige Jubiläum gefeiert. Da waren die Tage für das Haus schon gezählt. Von 1969 bis 2019 war die Gemeinde St. Bonifatius selbständig und entwickelte in den letzten beiden Jahrzehnten ein eigenes Profil als Gospelgemeinde.  Vor zwei Jahren beschlossen die Gemeinden Bonifatius und Nord-Barmbek, sich wieder zu einer Gemeinde zusammen zu schließen und die Arbeit auf den Standort am Tieloh zu konzentrieren. Am 1.1.2020 haben wir die Fusion gefeiert. Anfang April, an Palmsonntag, sollte das Gemeindezentrum entwidmet werden und eine Prozession vom Lämmersieth zum Tieloh stattfinden. Doch dies musste auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Nun wurde die Entwidmung in kleinster Runde nachgeholt. Wir dankten Gott für all das Gute, das Menschen an diesem Ort erlebt haben: Gemeinschaft, Feste und  Freude, Gespräche und Musik, Trost und Stärkung. In einer sehr bewegenden Runde teilten wir ganz persönliche Erlebnisse, die wir an diesem Ort erfahren haben: die eigene Taufe wurde erinnert, Konfirmation des Kindes, das Weihnachtsliedersingen unterm Tannenbaum, das Ritual zu Silvester, die Gospelmessen, der Festakt zum Jubiläum, u. a. besondere Momente. All diese Bilder und Gefühle leben in unseren Herzen weiter. So schön es ist, Gotteshäuser zu haben als Orte, in denen wir uns versammeln und feiern können - so wenig macht sich Gottes Geist an den Mauern fest, sondern begleitet uns überall. Wo immer wir sind, wandeln wir in Gottes Licht. Davon singt ein afrikanischer Gospel: “We are walking in the light of God”. Da derzeit in den Kirchen nicht gemeinsam gesungen werden darf, haben wir dieses sowie andere Lieder gesummt. Auch das war sehr ergreifend. Zuletzt entwidmete Bischöfin Fehrs die Kirche, die nun nur noch ein einfaches, fast leeres Haus ist, und segnete die Runde.

Freude und Schmerz, Trauer und Dank – alles hatte Raum in dieser Stunde. So traurig der Anlass war – so schön war dieser Gottesdienst. Darin waren wir uns einig.

Im Anschluss haben wir dann im Foyer noch etwas zusammen gestanden und auf die Zukunft angestoßen.

Idalena Urbach